Aaron Mokoena, was können wir von dieser WM erwarten?

All die Kraft und Freude unserer Regen­bo­gen­na­tion. Und natür­lich den Lärm. Das wird anders als alles zuvor, die Stim­mung wird groß­artig sein.

Sie sind ein wich­tiger Spieler in einem sehr jungen süd­afri­ka­ni­schen Team. Werden Ihr Alter und die Erfah­rungen, die Sie in der Pre­mier League gemacht haben, der Mann­schaft helfen?

Ich mag der Älteste sein, aber 29 Jahre sind doch kein Alter. Schauen Sie sich John Terry und Rio Fer­di­nand an, die sind auch noch jung und tragen trotzdem ihr Team. Meine Erfah­rung wird uns bei der WM sicher helfen. Ers­tens, weil Erfah­rung im Fuß­ball immer hilft, und zwei­tens, weil ich einige Gegner bereits aus der Pre­mier League oder aus Hol­land kenne.

Süd­afrika hat sich zum dritten Mal für eine Welt­meis­ter­schaft qua­li­fi­ziert. Bisher hat die Aus­wahl ledig­lich ein Spiel gewinnen können. Was macht Sie opti­mis­tisch, dass es dieses Mal anders sein wird?

Es muss ein­fach anders sein. Das ist unsere Welt­meis­ter­schaft, wir sind die Gast­geber und müssen wei­ter­kommen – min­des­tens bis ins Ach­tel­fi­nale. Und auch wenn es schwer wird, zeigt die WM-Geschichte, dass das gar nicht so unwahr­schein­lich ist. Viele Gast­ge­ber­länder sind über sich hin­aus­ge­wachsen und haben weit mehr erreicht, als man ihnen zuge­traut hätte. Wie auch immer, wir haben die ver­dammte Pflicht, unser Bestes zu geben.

Trainer Carlos Alberto Par­reira hat kri­ti­siert, das Team habe keinen eigenen Stil.

Damit hat er zu ein­hun­dert Pro­zent recht, es gibt keine typisch süd­afri­ka­ni­sche Spiel­weise. Par­reira ver­sucht das zu ändern.

Er will, dass Sie den Ball am Boden halten, weil das Team mit Aus­nahme von Matthew Booth nicht gerade groß sei.

Genau, des­halb können wir keinen eng­li­schen Fuß­ball spielen. Par­reira weiß, dass süd­afri­ka­ni­sche Fuß­baller eher klein, trick­reich und schnell sind. Er zeigt uns, wie wir das nutzen können. Wir ori­en­tieren uns an Spa­nien oder Klubs wie dem FC Bar­ce­lona.

Als Kapitän lastet eine große Ver­ant­wor­tung auf Ihren Schul­tern. Sind Sie darauf vor­be­reitet?

Ich bin auf Her­aus­for­de­rungen vor­be­reitet, seit ich vor elf Jahren das erste Mal für die Natio­nal­mann­schaft auf­lief. Es geht nicht um mich, den Kapitän, es geht um die Mann­schaft und mehr noch um unser Land. Wir alle wissen, was von uns erwartet wird, und wir sind moti­viert bis in die Haar­spitzen. Der Ein­zelne ist nicht wichtig, es kommt auf die Kraft an, die wir in der Gemein­schaft ent­wi­ckeln.

Ist das viel­leicht der typisch süd­afri­ka­ni­sche Ubuntu-Gedanke, in dem es um Soli­da­rität und Zusam­men­halt geht?

Das trifft es auf den Punkt, Ubuntu macht mich aus. Ein Mensch wird zum Men­schen erst durch andere Men­schen.

Ihre Tänze und Gesänge in der Kabine kann man im Internet bestaunen. Macht das Team das vor jedem Spiel?

Es ist Teil unserer Kultur. Vor dem Spiel müssen wir uns ent­spannen und Druck ablassen.

Haben Sie Par­reira schon ein paar Lieder bei­gebracht?

Er betei­ligt sich mehr und mehr. Meist macht er aller­dings Fotos.

Waren Sie froh, dass er nach dem Abgang von Joel San­tana wieder das Ruder über­nommen hat?

Wir brau­chen ihn. Er ist unglaub­lich erfahren und wir sind glück­lich, von dieser Erfah­rung zu pro­fi­tieren.

Hätten Sie nicht lieber einen Süd­afri­kaner als Trainer gehabt?

Mir ist es eigent­lich egal, woher der Trainer stammt. Par­reiras Ziel ist es, Süd­afrika nach vorne zu bringen. Das will ich auch.

Sie sind im Town­ship auf­ge­wachsen – und zwar nicht in irgend­einem, son­dern in Boi­pa­tong, wo es 1992 zu einem schlimmen Mas­saker kam. Hat Sie das geprägt?

Natür­lich hat es mich geprägt. Viele der Führer unseres Landes kommen aus Town­ships. Das Town­ship hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: ein Kämpfer, ein Über­le­bender. Ich war zwölf, als das Mas­saker statt­fand. Manchmal kann ich gar nicht fassen, dass ich in all diesen Unruhen auf­ge­wachsen bin. Der Fuß­ball war meine Chance, dem zu ent­kommen und etwas aus mir zu machen. Und hier stehe ich, bin Profi in Eng­land und ver­trete mein Land bei der ersten WM auf afri­ka­ni­schem Boden.

Man nennt Sie ​Mbazo“, ​die Axt.“

Den Spitz­namen bekam ich, lange bevor ich nach Europa ging, und er blieb hängen. Es hat mit meiner Ent­schlos­sen­heit und meiner Ein­satz­freude zu tun. Ich kann ein­fach nicht mit halber Kraft laufen.