Was ist das für ein wunderschönes Gefühl heute Morgen?
Du meinst diese allumfassende Sonnigkeit? Die leise, weiche Brise, die dir ein Stückchen Seelenfrieden durchs geöffnete Fenster trägt? Die süßen Vögelchen draußen, die neckisch eine fröhliche Melodie tschilpen, Kyrie, Kyrie eleison, als gäbe es nichts Schlechtes auf der Welt? Diese wunderschönen Blumen direkt da draußen, die du sachte unterm Blütenkelch anheben und zur Nase führen möchtest, um ihren süßen, samtigen Duft zu riechen, der dich an etwas sehr Schönes erinnert, das dir mal widerfahren ist? Der blaue Himmel, noch azurblauer als sonst, und dieser eine, gerade Sonnenstrahl, der dir wärmend auf die Nasenspitze fällt? Die wohlige Erinnerung an das Gelächter dir gut bekannter Stimmen, das innere Bedürfnis, geliebte Menschen in den Arm zu nehmen, fest zu drücken? Und generell, dieses vage Gefühl, dass genau du, genau jetzt, in diesem Moment, an genau dem Platz im Universum bist, an dem du sein solltest und alle Dinge um dich herum mit einem seidenen Band miteinander in Einigkeit vertäut sind, ein ewiges Geflecht aus Folgerichtigkeit, ein Hin- und Herwogen von Zuneigung, ein transzendentaler Puls aller Dinge, ja, nennen wir es eine Art kosmische Liebe? Das, liebe Freunde und Freundinnen, ist die erhabene Seligkeit, die sich einstellt, wenn das zu Werbezwecken gegründete Marketingvehikel eines Energydrinkherstellers im DFB-Pokalfinale auf den Sack bekommt. Genießt den Tag.
Bald ist die Saison vorbei und dann gehen wieder alle guten Spieler weg, oder? ODER??? *schnüff*
Es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, die gerade lieb gewonnenen Halb-Blinden, die dem eigenen Wurstklub zumindest den Hauch einer Besserung versprechen, weil sie die einzigen im Kader sind, die schon mal einen Pass zum Mitspieler gebracht haben, im Sommertransferfenster an einen der vielen, vielen, vielen besseren Klubs auf der Welt zu verlieren. Dieser Abnabelungsprozess ist schmerzhaft, und er bleibt es. Auch auf den Fluren der 11FREUNDE-Redaktion sieht man zu dieser Jahreszeit traurige Gesichter, Menschen, die mit tränenfeuchten Wangen und leerem Blick aus dem Fenster sehen und ihrem persönlichen Matheus Cunha oder Ritsu Doan nachblicken, an den sie ihr Herz gehängt haben, wie er nach Leeds, Sevilla oder Hoffenheim geht. Doch dieser Abschied ist Teil des ewigen Kreislaufs des Lebens, ein Prozess auch der Wiedergeburt, das darf man nicht vergessen, der schon dann viel milder und schöner wird, wenn der eigene Wurstklub im Spätherbst einen abgehalfterten Ex-Star oder ein andorrisches Halb-Talent verpflichtet, auf die man seine völlig irrationalen Wünsche und vergeblichen Hoffnungen ungesund projizieren kann, um unwesentlich später wieder enttäuscht zu werden, so oder so. Hach.
Warum darf Schalke Fußball spielen trotz sieben Corona-Fällen, aber ich darf seit Monaten nicht zur Hot-Stone-Massage? Was soll das?
Gute Frage. Wir gehen davon aus, dass die allermeisten Spieler von Schalke und Hertha, gemessen an ihrer diesjährigen Leistung, zu derjenigen Prio-Gruppe zählen, die Fußlahme, Arbeitsverweigerer oder Menschen mit chronisch zusammengeknoteten Schnürsenkeln versammelt, und daher schon durchgeimpft sind. Und dann ist ja eigentlich ok.
Aber mal im Ernst: Was soll das?
Na, das ist die neue Demut im Fußball, die mit Beginn der Pandemie ausgerufen wurde. Und nach allem, was wir in den letzten Monaten präsentiert bekommen haben, scheint diese Demut im weitesten Sinne eine Auf-Coronaregeln-scheißende, Extrawürste-bratende, Super-League-gründende, Nazivergleiche-in-Präsidiumssitzungen-machende, EM-in-zig-Ländern-austragende, Spiele-nach-Budapest-verlegende, Fußballer-in-der-Impfreihenfolge-nach-vorne-palavern-wollende, Trotz-allem-Gelaber-Rekordtransfers-eintütende, Champions-League-zu-Gunsten-der-Superreichen-reformierende, Wasser-predigen-Wein-saufende Total-Zumutung. Aber überrascht das irgendjemanden?
Hä? Die neue Benny-Fuchs-Werbung ist ja gar nicht so schlimm?
Nun, auch wir waren der Meinung, dass eine neue Benny-Fuchs-Werbung daraus bestehen würde, dass Fuchs Besuch von der ätzenden Check-24-Familie bekommt und sie gemeinsam zwei Minuten lang ihre Fingernägel über eine Tafel schaben, mit einem Messer Quietschgeräusche auf einem Teller machen oder ein paar Hundewelpen im nächstgelegenen Bach ersäufen oder so. Gut möglich aber, dass die Werbemacher bei der Fuchs-Neuauflage auf aktuelle Marktforschungsstudien gehört haben, die darauf hindeuten, dass der Werbeeffekt eher überschaubar ist, wenn die ganze Welt deinem Testimonial auf einem TV-Spot-Kulissen-Bolzplatz mit zwei durchgestreckten Beinen von hinten in die Kniekehle fliegen will. Weswegen Benny Fuchs jetzt einen netten alten Papa hat, mit dem er beim ungezwungenen Tennisspiel rumflachst. Wir freuen uns für Familie Fuchs und verbleiben mit einem freundlichen Game, Set, Match.