Drei Wochen ist es her, dass auf www​.11freunde​.de ein Artikel unter der Über­schriftCome­back der Gewalt“ erschien, Dach­zeile: ​Rück­kehr der Hoo­li­gans – Ultras Düs­sel­dorf ziehen sich zurück“. Tags zuvor hatten die Ultras Düs­sel­dorf auf ihrer Home­page bekannt gegeben, ​bis auf wei­teres unsere orga­ni­sierten Grup­pen­ak­ti­vi­täten im Sta­dion ein­zu­stellen, um mehr Kraft und Zeit für diese Auf­gaben zu erhalten“. Eine Stel­lung­nahme, die Fragen auf­warf. Vor allem die Frage nach dem ​warum“. Der Hin­ter­grund­be­richt unseres freien Mit­ar­bei­ters, dessen Artikel schließ­lich unter einem Pseud­onym ver­öf­fent­licht wurde, ging diesen und anderen offenen Fragen in der Düs­sel­dorfer Fan­szene nach. Die Erkenntnis: Schon seit vielen Monaten tobt ein Macht­kampf in der Kurve. Mit den simplen, aber offenbar effek­tiven Methoden – Droh­ge­bärden und Gewalt – setzen ein­zelne Schläger der wie­der­erstarkten Hoo­li­gan­szene ins­be­son­dere links­al­ter­na­tive Ultras unter Druck. Schon seit län­gerer Zeit ver­sucht ein Dut­zend Rechts­extre­misten, Ein­fluss unter den Hoo­li­gans zu gewinnen. Dies bestä­tigte vor unserem Artikel bereits ein internes Papier der Zen­tralen Infor­ma­ti­ons­stelle Sport (ZIS) aus dem Jahr 2012. Nach der Ver­öf­fent­li­chung unseres Arti­kels bestä­tigten For­tunas Fan­be­auf­tragter und der Leiter des Fan­pro­jektes anderen Medien die neue Prä­senz rechter Gruppen unter den For­tuna-Fans.

Die Reak­tionen auf den Artikel ​Come­back der Gewalt“ waren erwar­tungs­gemäß heftig. Neben Belei­di­gungen blieb vor allem der Vor­wurf: Warum stützt sich der Artikel nicht auf Aus­sagen des Ver­eins und von Ver­tre­tern aus der Fan­szene? Warum werden die Stel­lung­nahmen via Home­page und Face­book von den Ultras Düs­sel­dorf bzw. ihrem ehe­ma­ligen Vor­sänger igno­riert?

Dazu stellen wir fest: Die Stel­lung­nahmen der Ultras und ihres ehe­ma­ligen Vor­sän­gers wurden kei­nes­wegs igno­riert, viel­mehr waren diese recht über­ra­schenden Abschiede aus der Kurve mit Anlass für die Recher­chen des Autoren. Warum ver­ordnet sich eine aktive Ultra-Grup­pie­rung mitten in der Saison eine Pause? Warum gibt ein jah­re­lang aner­kannter Vor­sänger eben­falls mitten in der Saison das Mikro aus der Hand? Offenbar unter anderem auch des­halb, weil es – auch öffent­lich – Dro­hungen und Gewalt gegeben hat. Kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels auf www​.11freunde​.de gaben übri­gens sowohl die Ultra-Grup­pie­rung, als auch ihr ehe­ma­liger Vor­sänger erneu­erte Stel­lung­nahmen ab. Tenor: Kon­flikte in der Fan­szene gäbe es nicht, die Schaf­fens­pause und der Rückzug seien aus per­sön­li­chen Gründen erfolgt.

Und die Aus­sagen des Ver­eins? Der Autor hatte wäh­rend seiner Recher­chen sehr wohl Kon­takt zu For­tuna. Die offi­zi­ellen Angaben des Ver­eins, etwa zu Zuschau­er­be­schwerden über Hit­ler­grüße im Sta­dion, waren im Artikel auch als solche gekenn­zeichnet. Aller­dings wollte sich nie­mand aus Reihen der For­tuna offi­ziell zitieren lassen.

Am Tag nach der Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels ​Come­back der Gewalt“ nahm 11FREUNDE des­halb Kon­takt zur Pres­se­stelle von For­tuna Düs­sel­dorf auf. Man einigte sich darauf, dass der Verein am dar­auf­fol­genden Montag, dem 21. Januar, im Rahmen eines Inter­views mit dem Pres­se­spre­cher Tom Koster offi­ziell Stel­lung zu den im Artikel geäu­ßerten Vor­würfen nehmen könne. Teil der For­tuna-Fans reagierten bereits beim sonn­täg­li­chen Heim­spiel gegen den FC Augs­burg auf besagten Artikel. Auf Ban­nern war zu lesen ​Wir sind mehr als 11 Freunde und lassen uns nicht vor den braunen Karren spannen“, sowie ​ges­tern Taliban, heute Ras­sist, morgen Jour­na­list“.

Am Montag gab For­tunas Pres­se­spre­cher 11FREUNDE dann ein tele­fo­ni­sches Inter­view und beant­wortet Fragen wie ​Gibt es momentan Gra­ben­kämpfe zwi­schen Ultras und Hoo­li­gans um die Vor­herr­schaft der Düs­sel­dorfer Fan­kurve?“ ​War For­tuna Düs­sel­dorf bekannt, dass sich Neo-Nazis seit einiger Zeit unter die aktive Fan­szene gemischt haben?“. Wie in sol­chen Fällen üblich, wurde Koster dann am Mon­tag­abend das ver­schrift­lichte Inter­view zur Auto­ri­sie­rung zuge­schickt. Die Frei­gabe sollte umge­hend erfolgen, damit das Inter­view bereits am Dienstag, dem 22. Januar, auf www​.11freunde​.de hätte ver­öf­fent­licht werden können.

Seitdem sind drei Wochen ver­gangen. For­tunas Klub­spre­cher hat mehr­fach um Bedenk­zeit zur Bera­tung mit den Ver­eins­ent­schei­dern und den Sicher­heits­be­hörden gebeten. Auf eine erste Nach­frage am Don­nerstag, dem 24. Januar, also bereits zwei Tage nach dem ver­ab­re­deten Frei­gabe-Termin, hieß es: ​Es wird zu Beginn der kom­menden Woche ein qua­li­fi­ziertes Gespräch mit den ent­spre­chenden behörd­li­chen Instanzen geben. Her­nach können wir noch belast­ba­rere Aus­sagen treffen, die der Klä­rung gewisser Sach­ver­halte dien­lich sind.“ Der Ver­öf­fent­li­chungs­termin wurde ver­schoben.

Am 30. Januar, einem Mitt­woch, ver­suchte es 11FREUNDE erneut auf der Düs­sel­dorfer Geschäfts­stelle. Ohne Erfolg. Zwei Tage später, am Freitag, mel­dete sich Koster und bat erneut um Geduld. Am Don­nerstag, den 7. Februar, also exakt drei Wochen nach Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels, wurde die Auto­ri­sie­rung des Inter­views erneut auf unbe­stimmte Zeit ver­tagt. Im Rhein­land sei jetzt erstmal Kar­neval, die für eine aus­rei­chende Stel­lung­nahme des Ver­eins zu kon­tak­tie­renden Sicher­heits­be­hörden seien des­halb unmög­lich zu greifen. Ob die offenen Fragen aus For­tunas Fan­szene und der am Thema inter­es­sierten 11FREUNDE-Leser­schaft jemals Ant­worten aus Düs­sel­dorf erhalten werden, ist damit wei­terhin frag­lich. Aber viel­leicht wird auch dieser Kar­neval irgend­wann vor­über sein.