In 30 Jahren werden wir da sitzen. Mit unseren Kum­pels beim Fuß­ball. 1860 Bayern spielt dann gegen Red Bull Werder III. Das Spiel wird immer noch unseres sein, aber das ganze Drum­herum nun wirk­lich nicht mehr. Und bevor wir gran­telig werden und zu viel Bier trinken, denken wir lieber an Wales.

Damals, am 1. Juli 2016

An diese Nacht am 1. Juli 2016. Euro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich. Komi­sches Tur­nier. Russen und Eng­länder schlugen sich die ohnehin leeren Köppe ein, Nord­ir­land und Island wurden zu unseren Lieb­lings­län­dern – aber den schönsten Abend im kom­pletten Tur­nier hatten wir an diesem 1. Juli. Als Wales Bel­gien mit 3:1 besiegte und ins Halb­fi­nale einzog.

Als drei Stars und acht No-Names gegen ein Bel­gien antraten, bei dem zwei spä­tere ​Europas Fuß­baller des Jahres“ spielten. Als einem Zweit­li­ga­spieler plötz­lich ein Wun­dertor gelang. Als alles klappte, wo Wales drauf stand und Wales drin war. Eine Partie, nach der wir heu­lende Fuß­baller und hem­mungs­lose Fans sahen. Die pure Freude, der gelebte Wahn­sinn, die eksta­ti­sche Fas­sungs­lo­sig­keit.

Warum Fuß­ball noch wichtig ist

Wir wussten damals alle auf einmal wieder, warum wir den ganzen Scheiß eigent­lich seit Jahren machten. Warum wir uns selbst Polen gegen Por­tugal gaben, weil wir nicht anders konnten. Obwohl draußen ein lauer Som­mer­abend zu Ende ging. Warum wir uns zu Hause fühlen, wenn wir in der Kneipe, auf dem Sofa, im Sta­dion stehen oder sitzen, wenn nur der Ball rollt. Warum Fuß­ball immer noch groß ist.

Danke, Wales. Kommt doch mal auf ein Bier vorbei. Ihr braucht auch nie wieder nach Hause gehen.