Kata­stro­phal ist sie, die Woh­nungs­si­tua­tion in Bar­ce­lona, doch im rie­sigen Apart­ment in der Calle Con­sell de Cent wohnt keine Men­schen­seele. Dabei ist es so geräumig hier, dass ohne wei­teres vier zah­lungs­kräf­tige Guiris, so nennen die Kata­lanen die Aus­länder, hier Platz hätten und gutes Geld lassen würden. Doch Men­schen kommen hier gene­rell nur selten vorbei, und wenn, dann aus­schließ­lich mit spe­zi­eller Ein­la­dung. Knar­rend öffnet sich die mas­sive Tür, und der Besu­cher sieht sich einer welt­weit wohl ein­ma­ligen Samm­lung von Fuß­ball­de­vo­tio­na­lien gegen­über, die ihn regel­recht zu erschlagen droht. Wo soll man zuerst hin­schauen? Bis unter die Decke sind all die Sachen gesta­pelt. Man fühlt sich um min­des­tens fünfzig Jahre zurück­ver­setzt, in ein Wun­der­land voller vor Geschichte trie­fender Requi­siten. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Fuß­bälle, Ein­tritts­karten, Ball­pumpen, Schien­bein­schützer, Tril­ler­pfeifen, Mas­kott­chen, Wein­fla­schen, Puz­zles, Spiel­karten, Brief­marken, Sta­di­onposter, Auto­maten, Mal­stifte, Streich­holz­schach­teln, Taschen­messer, Man­schet­ten­knöpfe, Fuß­ball­schuhe, Blech­dosen, Tisch­lampen, es nimmt ein­fach kein Ende. In einer Ecke liegen dut­zende Wimpel über­ein­ander, ganz oben der ver­staubte von Paris St. Ger­main, dar­unter der von Fla­mengo, der von Cádiz schaut an der Seite hervor, und die Spitze von Rosario Cen­tral rutscht fast ver­kehrt­herum heraus. Jordi, der Sohn des Meis­ters, greift ziel­si­cher in ein Regal. ​Du bist doch Deut­scher“, sagt er, ​hier, das sind ein paar Brief­marken deut­scher Spieler.“ Ein deut­scher Sammler hat sich Marken aus aller Herren Länder besorgt, Becken­bauer, Müller, Hoeneß findet man darauf abge­bildet. Der deut­sche Sammler hat den Spie­lern damals die Marken geschickt, diese haben gestaunt, dass es so etwas über­haupt gibt, sie signiert und ihm zurück­ge­sendet. Irgend­wann hat Mayoral die kom­plette Samm­lung über­nommen. Später, beim Mit­tag­essen, fängt Manel Mayoral an zu erzählen. ​Als ich noch ein Kind war, hatten meine Eltern einen kleinen Laden. Dort habe ich immer die Sam­mel­bild­chen der Barça- Spieler, die zusammen mit den Scho­ko­la­den­ta­feln kamen, her­aus­ge­nommen und die Scho­ko­lade wieder zurück ins Regal gelegt. Viele Kunden haben sich später beschwert, weil die Bilder fehlten. So fing alles an“, erzählt er lachend. Die Frage nach dem Warum, die den ein oder anderen Sammler durchaus in Ver­le­gen­heit bringen kann, beant­wortet er sou­verän. ​Zu Hause, in meinem Dorf, spielten wir den ganzen Tag über Fuß­ball, es gab ein­fach nichts anderes. Nach dem Mit­tag­essen hatten wir das Des­sert noch in der Hand und waren bereits wieder mit dem Ball am Fuß auf dem Hof unter­wegs. Fuß­ball war wäh­rend meiner Kind­heit das bestim­mende Thema, also war klar, dass da etwas haften bleiben würde.“ Zu Hause, das war das kleine Dorf Verdú, etwa ein­hun­dert Kilo­meter von Bar­ce­lona ent­fernt, mitten im Herzen Kata­lo­niens. Dort hat er Anfang Sep­tember ein Museum eröffnet, wo unter anderem altes Spiel­zeug und Auto­maten, aber auch Wachs­fi­guren von Johan Cruyff und Pelé, aus­ge­stellt sind. Seitdem hat er noch mehr zu tun, das eng­li­sche Magazin ​Four Four Two“ war kürz­lich da, und die spa­ni­schen Fern­seh­sender drehen eine Repor­tage nach der anderen über die sel­tenen Objekte des Manel Mayoral.