Hallo zusammen, aus­ge­rechnet ich, Zecke Neu­en­dorf, gebe jungen Spie­lern Tipps, auf was sie achten sollen, wenn sie ins Fuß­ball­ge­schäft ein­steigen?

Das ist schon Ironie an sich. Bevor also auch nur einer annimmt, ich sei ein Mus­ter­profi gewesen, gestehe ich: Ich war immer einer der Faulsten. Nie habe ich nach einer Trai­nings­ein­heit noch eine Extra-Schicht beim Tor­schuss­trai­ning ein­ge­legt oder eine zusätz­liche Stunde im Kraft­raum Han­teln gestemmt. Was ich als Profi erreicht habe, habe ich allein durch Spiel­über­sicht und Talent geschafft. Dafür bin ich sehr dankbar, aber was aus mir geworden wäre, wenn ich im Trai­ning noch ein biss­chen mehr Gas geben hätte, werde ich jetzt mit 32 Jahren wohl nicht mehr her­aus­finden.

Des­wegen kann ich allen jungen Spieler nur raten, immer ein biss­chen mehr zu machen als das Gros der Mann­schaft. Wenn einer über aus­rei­chend Talent ver­fügt, hat jeder das Zeug, ein Großer zu werden. Es lohnt sich. Profi zu sein, ist ein großes Pri­vileg und viel­leicht die schönste Zeit im Leben: Jedes Wochen­ende kickst Du vor Mil­lionen Men­schen vorm Fern­seher und Tau­senden im Sta­dion, Du logierst in den besten Hotels und für zwei, drei Stunden Arbeit am Tag ver­dienst Du mehr als Deine Eltern zusammen. Es hängt von Dir ab, was Du draus machst.

DER ERSTE VER­TRAG

Meine Kar­riere fing schon mit Träg­heit an. Der erste Pro­fi­coach, der mich ver­pflichten wollte, war Bernd Krauss. Er rief kurz nach neun Uhr mor­gens bei meinen Eltern in Berlin an. Als mich meine Mutter ans Telefon rief, schlief ich noch. Krauss sagte: ​Junge, was ist los mit Dir, ich war heute schon um 6 Uhr laufen.“ Ich ant­wor­tete, er solle sich später noch einmal melden. Ich spielte noch für die Rei­ni­cken­dorfer Füchse. Kurz darauf bekam ich von Andreas Rettig den Hin­weis, dass Reiner Cal­mund mit mir spre­chen wolle. Den kannte ich bis dahin nur aus der ​Sport­schau“ und freute mich allein des­halb auf das Gespräch mit ihm. Mich beglei­tete mein Trainer aus Rei­ni­cken­dorf, die Ver­hand­lungen führte aller­dings ich. Aber beim ​Calli“ konnte ich nicht viel han­deln. Er schrieb seine Gehalts­vor­stel­lung auf einen Zettel und bat mich, das­selbe zu tun. Dann wet­tete er, dass sein Betrag über meinem liegen würde. Und so war es. Aller­dings hatte ich nicht erwartet, dass die Summe nur das monat­liche Brut­to­ge­halt umfasste. Die Abzüge waren also happig. Aber für einen nagel­neuen Lea­sing-Golf und eine schicke Miet­woh­nung in Lever­kusen reichte es locker.

DAS ERSTE TRAI­NING

Als ich bei Bayer Lever­kusen 1994 zum ersten Trai­ning in die Kabine mar­schierte, hatte ich ordent­lich Muf­fen­sausen. Damals spielten da noch Super­stars wie Bernd Schuster oder Andreas Thom. Das Wich­tigste bei Leuten dieser Kate­gorie ist, dass man ihnen mit Respekt gegen­über­tritt. Wenn ein Youngster einen Platz­hir­schen im Trai­ning tun­nelt, kommt das wirk­lich schlecht an. Denn merk Dir: Wer getun­nelt wird, wird aus­ge­lacht. Kein Spieler wird gerne aus­ge­lacht, ins­be­son­dere, wenn er der Chef einer Truppe ist. Wer neu in eine Pro­fi­mann­schaft kommt, sollte sich also auf fol­gendes kon­zen­trieren: Arbeiten, arbeiten, arbeiten und gut zuhören, wenn die Alten einem Tipps geben. Lever­kusen war genau das rich­tige Pflaster für solch eine Ein­füh­rung ins Pro­fi­ge­schäft. Vorm ersten Trai­ning kam ich in die Kabine, setzte mich hin und irgendein Kol­lege rief: ​Junge, da sitzt du nicht so gut, das ist der Platz vom Bernd Schuster.“ In meiner Unsi­cher­heit ließ ich die Ber­liner Schnauze raus­hängen und ant­wor­tete: ​Dann muss der sich jetzt wohl einen anderen Platz suchen.“ Großes Gelächter in der Kabine. Das Eis war gebro­chen und als Schuster in die Umkleide kam, machte ich Platz.

DAS ERSTE SPIEL

Übermut tut selten gut. Am Anfang lief es für mich bes­tens in Lever­kusen. Es ist ja tückisch: Im ersten Moment erscheint die Umstel­lung von Ama­teur- auf Pro­fi­liga gar nicht so schwer. Erst all­mäh­lich merkt man, dass in der Bun­des­liga auf dem Platz alles noch prä­ziser und schneller geht als in der Regio­nal­liga. Meine frü­heren Profi-Trainer, Dra­go­slav Ste­pa­nović, dessen Kau­der­welsch aus Hes­sisch und Jugo­sla­wisch ich kaum ver­stand, und später Erich Rib­beck, ließen mich oft bei den Profis spielen.
In einem Spiel gelang mir durch einen Sonn­tags­schuss ein Tor gegen Oliver Reck vom SV Werder. Irgendwie habe ich da ein biss­chen durch­ge­dreht. Fortan meinte ich, aus allen Lagen aufs Tor schießen zu müssen. Das hat mir ordent­lich Ärger mit den Stür­mern Rudi Völler und Ulf Kirsten ein­ge­bracht, die mich nach jeder Aktion zusam­men­brüllten. Na klar, die wollten, dass ich denen auf­lege, anstatt selber die Buden zu machen.

Kirsten ver­danke ich übri­gens meinen Künst­ler­namen ​Zecke“. Zur Lever­ku­sener Zeit wurde ich einmal mit einem Zecken­biss ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert. Damals standen gleich drei Spieler im Kader, die mit Vor­namen ​Andreas“ hießen. Als ich einige Tage später zurück zum Trai­ning kam, rief Ulf Kirsten spontan: ​Da isse ja wieder, die Zecke.“ Ich hatte meinen Spitz­namen weg. Irgend­wann fing ich an, der Ein­fach­heit halber auch unter diesem Pseud­onym meine Auto­gramme zu schreiben. Nach meinem Wechsel zu Hertha BSC wollte ich, dass, wie bei den Bra­si­lia­nern ​Ronald­inho“ oder ​Kaká“, bei mir ​Zecke“ auf dem Trikot steht. Der DFB lehnte diesen Antrag aber ab, da nach den Sta­tuten nur Künst­ler­namen zulässig seien. Kein Pro­blem, dachte ich und habe zwei künst­le­risch wert­volle Bilder gemalt, sie mit Hilfe einer Zei­tung ver­stei­gert, von dem Erlös meinen Künst­ler­namen bean­tragt und in meinen Per­so­nal­aus­weis schreiben lassen.

DIE TRAINER

Es gibt zwei Sorten von Trai­nern: Den einen kannst Du 100-pro­zentig ver­trauen. Sie for­dern alles von Dir, weil sie Dein kom­plettes Poten­tial aus­schöpfen wollen, aber sie sind immer gerade heraus, sagen Dir ehr­lich, was Du falsch machst und wie groß Deine Chancen sind, am kom­menden Samstag zu spielen. Die anderen kochen ihr eigenes Süpp­chen. Sie ver­su­chen, bei allen Spie­lern gute Miene zum bösen Spiel zu machen, lächeln Dir ins Gesicht und erzählen hin­tenrum ganz andere Dinge. Ein Trainer hat mir nach der Mann­schafts­be­spre­chung mal gesagt, ich wäre der Erste, der ins Spiel käme, wenn er wech­selte. Als ich auf der Ersatz­bank Platz nahm, hörte ich plötz­lich von meinem Neben­mann, dass er ihm genau das­selbe erzählt hat. Unser Gespräch bekam zufällig ein dritter Spieler mit. Ihm hatte der Coach auch mit­ge­teilt, dass er 12. Mann wäre. Sowas ist furchtbar ent­täu­schend. Mit Chris­toph Daum habe ich wegen ähn­li­cher Aktionen in Lever­kusen mal einen schlimmen Streit vom Zaun gebro­chen. Wegen einer ver­balen Ent­glei­sung hat er mich am Ende des Gesprächs sus­pen­diert. Ich war damals ein ziem­li­cher Hitz­kopf. Ich denke, wir haben beide Fehler gemacht. Heute würde ich mit Daum einen Kaffee trinken gehen.

Aber ich hatte Glück: Eine Woche später wurde Daum ent­lassen und Rudi Völler holte mich zurück in den Kader. Der här­teste Trainer, den ich jemals hatte, war übri­gens Wolf­gang Sandhowe, der vorher Co-Trainer bei Jupp Der­wall in Istanbul war, bei den Rei­ni­cken­dorfer Füchsen. So fit wie unter ihm war ich nie wieder in meiner Pro­fi­zeit. Wichtig für Euch junge Spieler ist, ein Gespür zu ent­wi­ckeln, welche Mög­lich­keiten ein Trainer einem ein­räumt. Ich glaubte früher oft sehr schnell zu merken, wenn mich ein Coach nicht mag. Dabei habe ich mich öfter mal getäuscht. Als Hans Meyer zu Hertha BSC kam, war ich sehr skep­tisch. Als er Berlin ein halbes Jahr später ver­lies, waren wir sehr eng ver­bunden. Er ist fraglos ein großer Trainer.

Im Fuß­ball wird vieles heißer gekocht, als es gegessen wird. Im letzten halben Jahr habe ich zum Bei­spiel sehr emo­tio­nale Dis­kus­sionen mit Dieter Hoeneß gehabt. Wir haben uns ange­brüllt. Ich war ent­täuscht über die Art und Weise, wie ich nach so vielen Jahren bei der Hertha behan­delt wurde. Keiner traute sich, mir offen ins Gesicht zu sagen, dass man even­tuell nicht mehr mit mir plant. Warum ist ein Verein so undankbar? Also bin ich dem Vor­stand ent­ge­gen­ge­kommen und habe von mir aus ange­kün­digt, mir einen neuen Verein zu suchen. Inzwi­schen weiß ich, auch für den Manager waren die Gespräche mit mir schwer. Er ist ein guter Typ, der sehr mensch­lich denkt. Des­wegen: Ehr­lich­keit und sich selbst treu bleiben, kommt bei den meisten in diesem Geschäft immer noch sehr gut an. Also ver­giss nie: Wir spielen Fuß­ball. Wenn wir etwas falsch machen, stirbt des­wegen keiner.

DER VER­ZICHT

Ande­rer­seits, es geht im Fuß­ball um schreck­lich viel Geld: Ich habe vor einem Spiel mit Bayer Lever­kusen im Inter­toto-Cup einmal ver­schlafen. Die Mann­schaft hat auf mich gewartet und um ein Haar hätten wir den Flieger ver­passt. Es hätte den Verein 150.000 Mark Strafe gekostet, wenn wir nicht ange­treten wären. Dieser Betrag schwirrte mir die ganze Zeit durch den Kopf, als wir im Flug­zeug saßen: 150.000 Mark. Alles nur, weil ich ver­schlafen habe. Im Liga-Cup habe ich Jahre später im Shoot-Out meinen Elf­meter ver­schossen. Dadurch sind dem Verein 250.000 Mark durch die Lappen gegangen. Was ich damit sagen will: Du musst als Profi stets voll auf der Höhe sein. Dazu musst Du auf viele Annehm­lich­keiten ver­zichten.

Wenn sich Deine Kum­pels am Freitag nach der Arbeit treffen, um gemeinsam ein Bier zu trinken, muss ein Spieler mit der Mann­schaft ins Hotel. Ich gehe seit Jahr­zehnten nur alle paar Wochen mal länger aus. Meis­tens am Samstag nach den Spielen. Und nur dann, wenn ich weiß, dass ich es mir erlauben kann. Bei diesen sel­tenen Gele­gen­heiten lasse ich dann aber auch Fünfe gerade sein. Da ich nicht so der Bier­freund bin, trinke ich auch mal einen Wodka Red Bull. Manchmal komme ich dann erst im Mor­gen­grauen nach Hause. Wie gesagt, ein Profi sollte immer wissen, wann er wieder fit sein muss.

An dem Gerücht, dass Bun­des­li­ga­profis auch Grou­pies, so wie Tokio Hotel, haben, die in der Lobby auf einen warten und mit aufs Zimmer wollen, ist nichts dran. Ich kann mich nicht erin­nern, dass ich mal von einer Fremden ange­graben wurde, weil sie auf Fuß­baller stand. Es sind eher die Kie­bitze beim Trai­ning, die gerne in der Nähe der Spieler sind. Nicht aus sexu­ellen Gründen, son­dern weil Fuß­ball und der jewei­lige Klub nun einmal die wich­tigsten Lebens­in­halte für diese Leute sind. Bei Hertha BSC gab es einen Typen, Martin. Am Anfang war der bei jedem Trai­ning dabei. Wir Spieler lernten ihn kennen, weil er uns jeden Ball zurück­holte, den wir beim Tor­schuss­trai­ning über den Zaun gedro­schen hatten. Es dau­erte nicht lange, bis er auch die Auf­gabe hatte, Hüt­chen für unseren Kon­di­ti­ons­trainer auf­zu­stellen. Irgend­wann holte er sogar die Ersatz­schuhe aus der Kabine, wenn einer von uns die fal­schen Stollen auf­ge­zogen hatte.

DIE MEDIEN

Viele Spieler werden in kri­ti­schen Situa­tionen von ihrem Trainer auf­ge­for­dert, keine Zei­tung zu lesen. Ver­giss es. Das funk­tio­niert sowieso nicht. Irgendwo liegt doch eine Bild-Zei­tung herum und Du schaust auto­ma­tisch nach, welche Note Du fürs letzte Spiel gekriegt hast. Für mich war es nie ein Pro­blem, wie ich als Spieler beur­teilt werde. Ich werde nur unge­müt­lich, wenn ein Reporter meint, sich über mein Pri­vat­leben aus­lassen zu müssen oder meine Aus­sagen ver­fälscht. In Berlin wurde ich nach einem Unent­schieden mal von einer Horde Jour­na­listen nach meinem Urteil zum Spiel gefragt. Ich war in der 80. Minute mit Stan­ding Ova­tions aus­ge­wech­selt worden und wir hatten danach noch den Aus­gleich gefangen. Ich ant­wor­tete, dass ich vor dem Spiel eine Erkäl­tungs­ta­blette genommen habe und die Kon­di­tion nicht bis zum Ende gereicht habe.

Am nächsten Tag steht in der Zei­tung: ​Zecke: ›Medi­ka­mente ver­ne­belten mir den Kopf‹“ Da habe ich in der Redak­tion ange­rufen und jeden, den ich an den Hörer bekam, ange­schnauzt. Der Chef­re­dak­teur sagte dann, er habe den Artikel nicht gelesen, weil er von einem freien Autoren stamme. Als ich den Reporter das nächste Mal bei einem Spiel traf, habe ich ihn mir zur Brust genommen. ​Wehe, ich sehe Dich noch einmal in meiner Nähe.“ Später haben wir dann Frieden geschlossen, weil ich mit­bekam, dass ihn seine Kol­legen hän­selten, weil ich ihm keine Inter­views gab. Ein Profi muss auch ver­gessen können.

Wenn Du in einer großen Stadt kickst, wo ein ent­spre­chendes Medi­en­um­feld ist, sei vor­sichtig, was Du in der Kabine erzählst. Du weißt nie, ob nicht ein Kol­lege aus dem Team gut ver­netzt ist mit einem Reporter von der Bou­le­vard­presse. Eigent­lich lautet ein unaus­ge­spro­chener Schwur inner­halb einer Mann­schaft: Interna müssen Interna bleiben. Aber es gibt immer wieder schwarze Schafe unter den Spie­lern, die diesen Schwur bre­chen. Wenn aus­ge­rechnet Du das Opfer einer Medi­en­ge­schichte bist, die ein Kol­lege an die Presse gegeben hat, ist das bitter.

DER UMGANG MIT GELD

Dass ich mit Fuß­ball Geld ver­dienen kann, wusste ich schon seit meiner Zeit bei den Rei­ni­cken­dorfer Füchsen. Dort hatte ich mal eine Prämie von 1000 Mark bekommen. Genauso schnell, wie ich die Kohle bekam, ist sie mir auch wieder durch die Finger geronnen. 500 Mark davon habe ich meiner Mutter gegeben, für den Rest habe ich mir ein Paar Turn­schuhe gekauft, meine Kum­pels zum Essen ein­ge­laden und hin­terher ins Ber­liner Spaßbad ​Blubb“. So habe ich es bis zu meinem 25. Geburtstag gemacht: Was reinkam, habe ich post­wen­dend wieder raus­ge­hauen. Ich gehörte nie zu den Groß­ver­die­nern, des­halb dau­erte sowas auch nicht allzu lange. Wenn ich einen Laptop haben wollte, habe ich mir einen gekauft. Nach zwei Monaten fiel mir auf, dass ich das Ding über­haupt nicht benutze, also schenkte ich es einem Kumpel, der mehr Ver­wen­dung dafür hatte. Irgend­wann merkte ich, wie prak­tisch diese Note­books aber sind, und kaufte mir wieder eins. So schlid­derte ich all­mäh­lich in die Schulden. Ich spielte schon bei Hertha BSC, ver­diente gut, aber zuhause sta­pelten sich die Rech­nungen. Ich lebte über meine Ver­hält­nisse, bis ein enger Ver­trauter, der sich auch beruf­lich mit Ver­mö­gens­fragen beschäf­tigt, mich bei­seite nahm und wir gemeinsam anfingen, Ord­nung in meine Bank­ge­schäfte zu bringen. Mit Aktien habe ich nur Geld ver­loren. Ich kaufte, als der Markt anzog und ver­kaufte als die Börse in den Keller ging. Zum Glück habe ich nicht, wie viele meiner dama­ligen Kol­legen, in den Ber­liner Immo­bi­li­en­markt inves­tiert. Da wurde auch ordent­lich Geld ver­senkt. Heute bin ich saniert: Ich bil­lige mir im Monat einen festen Betrag zu, den ich aus­geben kann. Der Rest wan­dert gleich auf ein anderes Konto, so dass ich nicht direkt daran komme. Auf diese Weise lebe ich gut und spare trotzdem für die Zeit nach der Kar­riere.

DAS BAUCH­GE­FÜHL

Ich werde der­zeit oft gefragt, warum ich von Hertha BSC aus der Bun­des­liga in die Regio­nal­liga nach Ingol­stadt gewech­selt bin. Natür­lich ver­diene ich hier wesent­lich weniger Geld. Mir lagen auch Ange­bote aus der 2. Liga und aus dem Aus­land vor, aber ich habe auf meinen Bauch gehört. So habe ich es immer gemacht und bin nie ent­täuscht worden. Den ersten Deal mit Reiner Cal­mund, der zwei­ma­lige Wechsel zu Hertha BSC, ich habe alles aus dem Bauch heraus ent­schieden und es nie bereut. Die meiste Zeit meiner Bun­des­li­ga­kar­riere habe ich ein Dasein als Ergän­zungs­spieler gefristet. Der FC Ingol­stadt gibt mir die Chance, gegen Ende meiner Spiel­erlauf­bahn noch einmal eine Mann­schaft zu führen. Und das ist reiz­voller, als viel Geld auf der Aus­wech­sel­bank zu ver­dienen. In Ingol­stadt emp­finde ich nach 13 Jahren im Pro­fi­busi­ness auch das erste Mal so was wie Ruhe. Es waren auf­re­gende Jahre in der Bun­des­liga. Wie gesagt, die schönste Zeit im Leben.

Ich bin froh über das, was ich alles erleben durfte: Die harten Aus­ein­an­der­set­zungen auf dem Platz mit unan­ge­nehmen Gegen­spie­lern wie Thomas Bert­hold, die Spiele an der Seite von unei­gen­nüt­zigen Team­playern wie René Tret­schok, der über­ra­gend war in der Tor­vor­be­rei­tung und beim Pass­spiel. Der beste Spieler, mit dem ich jemals auf dem Platz gestanden habe, ist übri­gens Yil­diray Bas­türk. Der Junge ist in meinen Augen ein abso­luter Welt­star, besser noch als Schuster, Völler oder all die anderen, mit denen ich spielen durfte. Ich war immer ein aggres­siver Spieler, habe mich stets voll rein­ge­hauen. Klar, ich habe mit 32 nicht mehr den Körper eines 18-Jäh­rigen. Ich achte genau darauf, was ich mir noch zumuten kann. Aber, wie gesagt, ich habe als Profi nie von meiner außer­ge­wöhn­li­chen Fit­ness gelebt, son­dern viel­mehr von meinen fuß­bal­le­ri­schen Fähig­keiten. Mal sehen, was ich mit meinen mor­schen Kno­chen noch errei­chen kann…

Alles Gute, Euer Zecke.