Luis Díaz wech­selte im Januar 2022 für 47 Mil­lionen Euro vom FC Porto zum FC Liver­pool und erhielt einen lang­fris­tigen Ver­trag. Er hat sich inzwi­schen auf dem linken Flügel zum Nach­folger von Sadio Mané gemau­sert. Mit fünf Scor­er­punkten in acht Spielen legte er einen furiosen Start in die aktu­elle Pre­mier League-Saison hin. Bis er sich am Knie ver­letzte, was für Jürgen Klopp ​ein sau­berer Schlag ins Gesicht“ war. Mit 25 Jahren hat Díaz, obwohl er noch nicht mal ein Jahr da ist und beste Aus­sichten hat, plötz­lich aber genug vom Welt­klasse-Club Liver­pool. Er wech­selt auf dem Höhe­punkt seiner Kar­riere im Win­ter­transfer-Fenster – nach China. Klingt schwer vor­stellbar, ist aber in Person von Jackson Mar­tínez bereits pas­siert.

31 Tore schoss er in der Saison 2014/15 für den FC Porto, wo auch Luís Diaz und James Rodríuez ihre ersten euro­päi­schen Fuß­bal­l­er­fah­rungen machten. Atle­tico Madrid ver­pflich­tete das 1,88-Meter-Kraftpaket im Sommer 2015 für 35 Mil­lionen Euro und stat­tete ihn mit einem Vier­jah­res­ver­trag aus. Doch nur ein halbes Jahr später, nach dem Mar­tínez mit Ver­let­zungen zu kämpfen hatte, ging es ins Reich der Mitte zu Guang­zhou Ever­g­rande – für 42 Mil­lionen Euro. Mar­tínez ver­ab­schie­dete sich damit frei­willig von der großen Bühne des Fuß­balls mit nur 29 Jahren. Im besten Fuß­bal­ler­alter und auf der Höhe seines Schaf­fens wech­selte in eine Liga, die inter­na­tional kei­nerlei sport­liche Rele­vanz besitzt. Aber warum? 12,5 Mil­lionen Euro Gehalt im Jahr, oder anders gesagt: 1400 Euro pro Stunde. Und mit Trainer Luiz Felipe Sco­lari und Paulinho traf er dort auf pro­mi­nente Mit­streiter. Auch sie hatte das große Geld bereits ange­lockt.

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Jackson Mar­tínez und Paulinho: Zwei Spieler, die im besten Fuß­bal­ler­alter zu Guang­zhou Ever­g­rande wech­selten.

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Ein sol­cher Wechsel ist mitt­ler­weile aber unvor­stellbar. Denn der Guang­zhou FC ist nach einer 1:4‑Pleite gegen Chang­chun Yatai am Dienstag in die 2. Chi­ne­si­sche Liga abge­stiegen. Der Gesamt­wert des Kaders, in dem sich kein Legionär mehr befindet, liegt laut trans​fer​markt​.de bei nur noch 3,31 Mil­lionen Euro. Der abge­stie­gene Rekord­meister (acht Titel zwi­schen 2011 und 2019) steht exem­pla­risch für den Nie­der­gang des chi­ne­si­schen Fuß­balls. An dem auch der Staat ent­schei­dend mit­ge­wirkt hat. Was ist pas­siert?

Erfolgsära mit Evergrande´s Unter­stüt­zung

Seit Januar 2021 taucht ​Ever­g­rande“ nicht mehr im Klub­namen auf, da Ver­eins­namen in China keine Spon­soren mehr beinhalten dürfen. Dabei waren es die Spon­soren, die den der sport­li­chen Erfolg erst mög­lich machten. 2010 kaufte der Immo­bi­li­en­kon­zern Ever­g­rande den Verein für 15,5 Mil­lionen Euro und läu­tete mit viel Kapital eine bei­spiel­lose Erfolgsära in der Chi­nese Super League ein. Dazu gewannen der FC 2013 und 2015 die asia­ti­sche Cham­pions League.

Und mit einem Mega-Pro­jekt sollte die Vor­macht­stel­lung mani­fes­tiert werden: Dem Guang­zhou Ever­g­rande Foot­ball Sta­dium. Es sollte mit über 100.000 Zuschauern das größte Fuß­ball­sta­dion der Welt werden. Die Kosten für die Lotus­blume“: 1,57 Mil­li­arden Euro. Im Dezember 2022, noch vor der Asi­en­meis­ter­schaft, war die Eröff­nung geplant. Seit Februar 20222 steht die Bau­stelle wegen feh­lendem Kapital von Ever­g­rande jedoch still. Denn inzwi­schen hat Ever­g­rande, das ehe­mals umsatz­stärkste Bau­un­ter­nehmen Chinas, 300 Mil­li­arden US-Dollar Schulden ange­häuft, da die chi­ne­si­sche Regie­rung den Kapi­ta­lismus ein­schränken möchte, um sozia­lis­ti­scher zu werden.

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Im Februar wurden die Kräne auf der Bau­stelle des größten Fuß­ball­sta­dions der Welt abge­baut. Das Geld fehlt.

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Im Herbst 2021 stand das Unter­nehmen vor der Pleite, die jedoch durch Umschul­dung abge­wendet werden konnte. Jah­re­lang machte der Guang­zhou FC Ver­luste in drei­stel­liger Mil­lio­nen­höhe. Ohne die finanz­starke Unter­stüt­zung von Ever­g­rande war der Verein nicht mehr liquide. 2021 konnten auch Gehälter nicht mehr bezahlt werden. Guang­zhou ver­kaufte alle Aus­länder und setzte nur noch auf Chi­nesen. Die Gehalts­ober­grenze liegt nun bei umge­rechnet 85.000 Euro. Nebenbei spielt die Angst mit, dass Ever­g­rande voll­ständig aus­steigt. Würde dies pas­sieren, droht dem Verein das Aus.