Man muss sich das Leben der Fans des 1. FC Union Berlin in den vergangenen fünf Jahren als eine Art Dauer-Schleudertrauma vorstellen: Ungläubiges Kopfschütteln ohne Ende. Scheiße, wir sind aufgestiegen! Irre, zwei ehemalige Deutsche Meister kommen: Neven Subotic und Christian Gentner! Gibt’s nicht: Wir bleiben drin! Was: Wir spielen Europapokal! Kann nicht sein: Max Kruse kommt – und köpft uns im letzten Moment der Saison in die Europa League. Und so weiter, und so fort. Das Olympiastadion wird natürlich auch voll sein, wenn Union dort in der Champions League (Wahnsinn!) spielt. Egal, wer kommt.
Es wird ja gerne mal vom Wahnsinn als Prinzip dahergeredet, aber in Köpenick stimmt es tatsächlich. Insofern ist es auch nicht gar nicht so verblüffend, dass Union in diesem Sommer zur sehr übersichtlichen Schar von Bundesligisten gehört, die einen aktuellen deutschen Nationalspieler verpflichten. (Die beiden anderen heißen weniger überraschend Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen.) Es löst auch keine Schnappatmung aus, dass Robin Gosens in der Kombination von Ablösesumme und Gehalt der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte wird. Weil: Es ist ja der übliche Wahnsinn.
Was daran vielleicht erstaunlich ist: Gosens spielt als Mann auf der linken Außenbahn nicht auf einer Position, auf der Klubs gemeinhin das meiste Geld ausgeben. Das wird eher für Spieler auf der zentralen Achse zwischen Torwart und Mittelstürmer fällig. Auch ist Gosens kein genialischer Zauberfuß, der das Union-Spiel plötzlich mit einem Übermaß an Raffinesse versehen wird. Was er aber ist: ein Flankengott und vor allem ein mitreißender Spieler, der Stadien elektrisieren kann – und seine Mitspieler.