Zual­ler­erst: Das stimmt nicht. Also zumin­dest nicht ganz. Zwar hat Bayer 04 Lever­kusen ges­tern das Ach­tel­fi­nale der Europa League gegen Feren­cváros Buda­pest gewonnen, Welt­meister ist der Verein aber nur inof­fi­ziell. Denn mit dem 2:0‑Sieg ging der Titel des inof­fi­zi­ellen Klub-Welt­meis­ters ins Rhein­land.

Bei denen, die den Haupt­kurs Fuß­ball-Sta­tistik an der Uni­ver­sität in Absur­di­stan nicht belegt haben, sind jetzt sicher­lich noch ein paar Fragen offen. Reicht die sinn­lose Fifa-Klub-WM nicht aus? Braucht es jetzt auch noch einen inof­fi­zi­ellen WM-Titel für Fuß­ball­klubs? Doch die Ant­worten darauf sind char­mant.

Bei jedem Sieg ein neuer Welt­meister

Denn bei der inof­fi­zi­ellen Klub-WM gewinnen nicht wie bei der Fifa jedes Jahr die immer glei­chen Ver­eine. Nein, hier geht es viel span­nender zu. Denn bei jedem Fuß­ball­spiel kann dem amtie­renden Welt­meister der Titel streitig gemacht werden. Die inof­fi­zi­elle Klub-WM funk­tio­niert näm­lich nach dem K.O.-Runden-Prinzip. Wird der aktu­elle Welt­meister geschlagen, ver­liert er den Titel an den Gewinner des Spiels. Wie beim Boxen.

Offi­ziell begann hat die inof­fi­zi­elle Welt­meis­ter­schaft am 11. November 1871. Und zwar mit dem ersten Tor, das im aller­ersten Pokal­spiel des Foot­ball Asso­cia­tion Chall­enge Cup geschossen wurde. Der FC Clam­pham Rovers traf gegen den Upton Park FC. Mit dem Sieg waren die Clapton Rovers die ersten Klub-Welt­meister. Seitdem wird der Titel bei jedem Fuß­ball­spiel durch den amtie­renden Welt­meister ver­tei­digt oder bei einer Nie­der­lage abge­geben.

Mehr als 5.200 Spiele um die Welt­meis­ter­schaft

Aber natür­lich wurde die inof­fi­zi­elle Klub-WM nicht 1871 ein­ge­führt. Einige Sta­tistik-Nerds hatten sich den Wett­be­werb Anfang der 2000er-Jahre aus­ge­dacht und das Geschehen ab 1871 zurück­ge­rechnet. Aktuell wurde schon 5.243 mal um den Titel gespielt.

In der Sta­tistik gilt: Das Land des Welt­meis­ters kann nur wech­seln, wenn der amtie­rende Klub-Welt­meister inter­na­tional ver­liert. Ist das so schnell nicht der Fall, wird der Titel im eigenen Land her­um­ge­reicht und steckt prak­tisch erst einmal fest. Durch Rele­ga­tions- oder Pokal­spiele kann der Titel theo­re­tisch gar bis in die unterste Liga durch­ge­reicht werden. Das ist sta­tis­tisch zwar unwahr­schein­lich, aber nicht unmög­lich.

Die FVgg Mainz-Mom­bach wird Welt­meister!

So geschehen in Deutsch­land. Bis zum 18.11.1958 wan­derte der inof­fi­zi­elle Klub-WM-Titel in den eng­li­schen Ligen umher. Als dann der FC Schalke 04 gegen die Wol­ver­hampton Wan­de­rers gewann, holten die Königs­blauen den Titel in die west­deut­sche Ober­liga West, zu dieser Zeit die höchste deut­sche Spiel­klasse. Fortan ging der Titel vier Jahre in der Ober­liga West, Süd­west oder in der 2. Ober­liga Süd­west umher. Ab dem 18. November 1962 rutschte der Titel für ganz neun Monate in die 1. Ama­teur­liga Süd­west ab, nachdem Wormatia Worms gegen die FVgg Mainz-Mom­bach ver­loren hatte. Im nächsten Jahr stieg der WM-Titel wieder in die Regio­nal­liga Süd­west und schließ­lich in die Bun­des­liga auf, bis er am 30. Sep­tember 1964 nach Frank­reich ging.

Fortan wan­derte der Klub-WM-Titel durch das dama­lige Jugo­sla­wien, die Schweiz, Deutsch­land, Spa­nien, Tsche­chien, Ita­lien, Öster­reich und zuletzt durch Ungarn.

Von Lever­kusen nach Buda­pest und wieder zurück

2021 hätte der inof­fi­zi­elle Titel erneut in eine deut­sche Ama­teur­klasse rut­schen können. Nachdem der FC Bayern Mün­chen in der Cham­pions League gegen Paris Saint-Ger­main am 23. August 2020 gewonnen hatte und die inof­fi­zi­elle Welt­meis­ter­schaft zurück nach Deutsch­land brachte, wurde der Titel fortan in der Bun­des­liga umher gereicht. Am 26. Oktober 2021 spielte der dama­lige Klub-Welt­meister Hertha BSC im DFB-Pokal gegen den SC Preußen Münster, wes­halb die West­falen die Chance zum großen Coup hatten.

Weil die Müns­te­raner jedoch ver­loren, geis­terte der Titel noch einige Zeit in der Bun­des­liga umher und wurde von Bayer Lever­kusen beim Europa-League-Spiel gegen Feren­cváros am 8. Dezember 2021 nach Ungarn abge­geben. In der ersten unga­ri­schen Liga ver­blieb er die rest­liche Zeit. Und gerade beim Spiel gegen Feren­cváros holten sich die Far­ben­städter den Titel wieder zurück.

Bevor die Lever­ku­sener am kom­menden Don­nerstag erneut gegen Feren­cváros antreten, könnte bereits Werder Bremen am Sonntag neuer inof­fi­zi­eller Klub-Welt­meister werden. Sollten die Bremer gewinnen, bliebe der Titel viel­leicht wieder länger in Deutsch­land.