»Mach ihn rein« ist in der kom­menden Saison auf den Tri­kots des Kreis­li­gisten TC Frei­sen­bruch 02 zu lesen. Aller­dings steht hinter der Kam­pagne kein Schlachtruf eines Fan­clubs, son­dern der Kon­dom­her­steller Billy Boy. Die Tri­kots von rund 50 Ama­teur­mann­schaften will das Unter­nehmen auf diese Art ver­zieren.

Arnd Hoff­mann, Außen­dienst­mit­ar­beiter bei Billy Boy, ist dafür nach Frei­sen­bruch bei Essen gereist, um die Mar­ke­ting­idee des Unter­neh­mens beim Kreis­li­gisten vor­zu­stellen. Als ehe­ma­liger Ver­eins­vor­sit­zender kennt er den Verein. Bis zu 1000 Euro pro Trikot zahlt der Kon­dom­her­steller– und erhofft sich so Auf­merk­sam­keit »beim jungen Ziel­pu­blikum«. Mit Hilfe von etwa 60 mobilen Mit­ar­bei­tern in ganz Deutsch­land will der Kon­dom­her­steller in allen Bun­des­län­dern seine Marke ver­breiten.

»Jeder der Mit­ar­beiter hat die Mög­lich­keit, seinem Hei­mat­verein einen Satz Tri­kots zu spon­sern«, erklärt Hoff­mann. Die Dorf­ver­eine prä­sen­tieren als Gegen­leis­tung das Wer­be­logo auf Mann­schafts­fotos und bei Pres­se­auf­tritten.

Bereits 23 Ver­eine hat der Kon­dom­her­steller mit Tri­kots aus­ge­stattet. Die ein­zigen Frauen, die in der kom­menden Saison mit einem Kondom auf dem Trikot antreten, sind die Spie­le­rinnen vom TUS Zeven, im Ort des Fir­men­sitzes. Der Vater einer Mit­spie­lerin, tätig bei Billy Boy, hat Carmen Door aus der 1.Frauenmannschaft von der Idee erzählt. »Nach erstem großen Erstaunen fanden wir die Idee eigent­lich ganz lustig«, sagt die Spie­lerin.

Auch in der katho­li­schen Klein­ge­meinde Fleischwangen in der Nähe von Ravens­burg tragen die Spieler in Zukunft Billy Boy auf der Brust. Hartmut Fäßler, Vor­stand des SV Fleischwangen, hat vor dem ersten Sai­son­spiel noch einige Zweifel. »Ich bin schon gespannt, wie die Reak­tionen der alten Zuschau­er­ge­ne­ra­tion aus­fallen.«

Seit 1973 ist Tri­kot­spon­so­ring in der Fuß­ball­bun­des­liga erlaubt. Der Platz auf der Brust der Spieler hat sich zu einem begehrten Wer­be­platz für Unter­nehmen bis in die untersten Ligen ent­wi­ckelt. Wel­ches Pro­dukt den Geld­segen für die Ver­eine bringt, spielt schon länger keine Rolle mehr. Vor gut zwanzig Jahren sah das aller­dings noch anders aus.

Als der FC 08 Hom­burg 1988 in die erste Bun­des­liga auf­ge­stiegen war, suchte die Ver­eins­spitze trotz des sport­li­chen Erfolgs einen neuen Tri­kot­sponsor. Die Zeit drängte. Es war bereits Sep­tember. Der kleine FC Hom­burg musste sich sein Erst­li­ga­budget noch erar­beiten. Udo Geit­linger, der zu dieser Zeit Vor­sit­zender des Ver­eins war, wurde schließ­lich mit Hilfe einer Wer­be­agentur in London fündig. »Für uns war das von großer Bedeu­tung. Wir waren auf jeden Pfennig ange­wiesen.«

Das eng­li­sche Kon­dom­her­steller London Rubber Com­pany GmbH machte das bes­sere Angebot als der deut­sche Mit­be­werber Erima. Geit­linger sagte den Eng­län­dern zu. Womit der FC Hom­burg aller­dings nicht gerechnet hatte, war die strenge Sit­ten­kon­trolle des DFB. »In den Tri­kots hat der FC Hom­burg Spiel­verbot« hieß es in einem Brief an den Verein. Der DFB sprach von einem »Ver­stoß gegen Moral und Ethik«.

»Uns selbst war damals nicht klar, dass wir einen sol­chen Auf­ruhr erzeugen würden«, sagt Geit­linger. Die natio­nale und inter­na­tio­nale Presse berich­tete regel­mäßig über den »Tri­kot­sponsor-Skandal«. Der Kon­dom­her­steller bekam mehr Auf­merk­sam­keit, als sich die Ver­ant­wort­li­chen erwarten konnten. Vor Gericht hat sich der FC Hom­burg letzt­end­lich erstritten, mit dem eng­li­schen Tri­kot­sponsor auf­laufen zu dürfen. Die Stadt war auf einmal der Mit­tel­punkt der Fuß­ball­welt. »Bis dahin hatte man uns häufig mit Bad Hom­burg ver­wech­selt. Das war danach nicht mehr der Fall. Plötz­lich wussten alle, wo Hom­burg liegt«, erin­nert sich Geit­linger.

Ein so großen Image­ge­winn wagt Arnd Hoff­mann von der Kam­pagne seines Unter­neh­mens nicht zu erhoffen. Mit der Aktion ver­suche der Kon­dom­her­steller viel­mehr, »an das rich­tige Wer­be­um­feld zu kommen«. Für Hoff­mann passen Kon­dome und Fuß­ball her­vor­ra­gend zusammen. »Das Thema Emp­fäng­nis­ver­hü­tung können wir so über den Fuß­ball locker an Jugend­liche rüber bringen«. Helfen dabei soll dem Unter­nehmen die Popu­la­rität des Fuß­balls – ver­bild­licht durch ein Kondom mit einem Ball unter dem Arm.