Unsere Serie: Wir prä­sen­tieren jeden Tag das aktu­elle Mann­schafts­foto eines Bun­des­li­gisten und zeigen in unserer Bil­der­ga­lerie die schönsten his­to­ri­schen Schüsse. Heute: Ham­burger SV.

1.
Der neue Star
Sicher, der Star ist die Mann­schaft, das Kol­lektiv ist wich­tiger als der ein­zelne Spieler und sowieso: Elf Freunde müsst ihr sein. Beim HSV darf man diese Phrasen diese Saison guten Gewis­sens dre­schen, denn es gibt tat­säch­lich keinen neuen Super­helden an der Elbe. Gla­mour-Poten­zial besitzt allen­falls der Deutsch-Türke Gökhan Töre (vor­dere Reihe 2. v. l.), der von Chel­seas Reserve zum HSV kam und immerhin auf einen eigenen Wiki­pedia-Ein­trag sowie einen Best-Of-You­tube-Clip ver­weisen kann. Ein User glaubt, er sei der ​next Kevin Keegan“, ein anderer kom­men­tiert: ​Not best man!“ Immerhin wurde der offen­sive Mit­tel­feld­spieler nun erst­mals für ein Län­der­spiel der tür­ki­schen Natio­nal­mann­schaft ein­ge­laden. Kurz nach seinem Wechsel zu Chelsea ver­riet er übri­gens fol­gendes: ​London ist eine tolle Stadt. Zur Zeit lebe ich bei einer netten Gast­fa­milie. Später möchte ich gerne mit meiner Oma in eine Woh­nung ziehen.“ Die gute alte Oma-Enkel-WG!

2. Wer ist er denn?
Es gibt ihn wirk­lich noch: Romeo Cas­telen (vor­dere Reihe, 4. v. .r.). Seit 2007 spielt der Nie­der­länder im Trikot des HSV, wobei ​spielt“ hier eigent­lich ​reha­bi­li­tiert“ heißen muss. Wegen eines Knor­pel­scha­dens musste er seit seinem Wechsel zum HSV etliche Ope­ra­tionen über sich ergehen lassen. Bis dato bestritt er gerade mal 15 Plicht­spiele, sein letztes am 1. Oktober 2009. Nachdem Cas­telen bei einem Blitz­tur­nier vor einigen Tagen über 90 Minuten zum Ein­satz kam, spra­chen einige Fans vom besten Neu­zu­gang. Nun will er wieder angreifen, so ver­meldet es die Ham­burger Presse. Ähn­liche Schlag­zeilen gab es aller­dings auch schon 2008, 2009 und 2010.

In unserer Bil­der­ga­lerie: His­to­ri­sche HSV-Mann­schafts­bilder »

3. Eine kleine Stil­kritik
Der Vier­reiher ver­mit­telt stolz: Wir sind massiv, wir halten zusammen, was immer auch kommt. Kurzum: Wir sind viele und ihr nicht. Da machen die Männer und Frauen in Schwarz gehö­rigen Ein­druck. Im Gegen­satz zu anderen Bun­des­li­gisten hat der HSV seine kom­plette medi­zi­ni­sche Abtei­lung ins Mann­schafts­foto dra­piert. Mann­schafts­arzt Dr. Werner Siek­mann (dritte Reihe, 1. v. l.) kommt dabei ein wenig unvor­teil­haft weg. Eine leichte Windbö stellt sein Haupt­haar zu einem beck­ham­schen Hah­nen­kamm. Oder gehört das so?

4. Was fehlt?
Kein Ruud van Nis­tel­rooy, kein Zé Roberto, nicht mal mehr Frank Rost oder Joris Math­ijsen. Was neben Oen­nings Unter­lip­pen­bart wirk­lich fehlt, ist ein pro­mi­nenter Name, ein Zau­berei ver­spre­chender Neu­zu­gang, wenigs­tens ein alternder Ex-Star. Einige Experten finden das ganz groß­artig, schließ­lich ist ​Jung und gut gelaunt“ das neue ​Toll und Super“. Andere sagen gar nichts oder so was wie ​Mmmmmh“ und ​Grrrr“.

5. Pro­gnose 2011/12
Die neue und ziem­lich pep­pige Wer­be­kam­pagne des HSV ver­spricht: ​Nur die Ruhe, nur der Sturm, nur der HSV!“ Die Ham­burger Mor­gen­post ver­spricht: ​Jetzt geht die Rakete ab“. Und der HSV-Fan an sich ver­spricht sich zwar nicht die Meis­ter­schaft, doch ins­ge­heim hofft er auf die hei­lende Wir­kung des neuen Vor­standes und der Jugend. So wird Heung Min Son in Ham­burg mit­unter ähn­lich abge­feiert wie Shinji Kagawa in Dort­mund. Aller­dings gibt es auch mah­nende Stimmen, etwa vom ehe­ma­ligen HSV-Spieler Ditmar Jakobs. ​Es ist nicht sinn­voll, über die Plätze eins bis sechs zu reden“, sagte er in der Mor­gen­post. Ange­sichts der ver­gan­genen Jahre und diesem selt­samen Pen­deln zwi­schen Kampf­an­sage und Mal-Abwarten sind wir schlichtweg über­for­dert mit dem Punkt Pro­gnose. Da der HSV nicht absteigen kann, tippen wir auf einen Platz zwi­schen 1 und 15, irgendwo zwi­schen ​Jung und gut gelaunt“ und ​Jung und schlecht gelaunt“.