Walter Sianos, ist Walther Seinsch eher Visionär oder Unternehmer?
Bei ihm schlagen zwei Herzen in der Brust. Er ist jemand, der strenge Businesspläne hat, aber trotz allem ist er ein Mensch mit einem Herzen so groß wie ein Benzinkanister.
Sie nannten ihn einst einen Sozialromantiker.
Er ist der Architekt des FC Augsburg, der dabei sehr viel investiert hat. Aber er ist auch jemand, der mit in der Fankurve steht, sein Bierchen trinkt und eine Bratwurst isst. Das meinte ich damit.
Er holte Sie einst als Fanbeauftragten in den Aufsichtsrat. Ist er wegen Ihnen so beliebt bei den Augsburger Fans?
Nein. Er meinte damals zu mir: „Es muss ein Fan mit im Aufsichtsrat sitzen.“ Und jetzt bin ich schon seit sieben Jahren dabei. Die Augsburger beäugen einen Neuen erstmal, aber wenn sie ihn dann in ihr Herz schließen, machen sie das so richtig. Seinsch war lange beim Verein und kennt alle Leute. Er ist einfach authentisch, ein Typ, der keinen doppelten Boden hat.
Was macht ihn so authentisch?
Man merkt ja schnell, ob jemand aus strategischen Gründen in den Fanblock geht, um dadurch gut dazustehen. Aber er war in den ganzen Jahren überhaupt der allererste Präsident, der in den Fanblock gekommen und da auch geblieben ist. Er hat nicht nur kurz vorbeigeschaut und einen auf schön Wetter gemacht. Er hat den FC Augsburg mit uns gelebt – bei Heim- und Auswärtsspielen.
Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis?
Ich kenne ihn ja wirklich seit dem ersten Tag seiner Präsidentschaft und hatte das große Glück, ihn 14 Jahre begleiten zu dürfen. Mit die lustigste Zeit war, als seine Frau für ein halbes Jahr Australien bereiste. Da hat er mit uns seine Jugend nachgeholt! (lacht) Gleich am Anfang sagte er zu uns: „Jungs, heute Abend besaufen wir uns aber mal so richtig!“ Allerdings verträgt er keinen Schnaps und nach zwei Kurzen mussten wir ihn dann ins Taxi hieven.