1. Rekorde, Rekorde, Rekorde
Fangen wir mit ein paar Rekord­marken an: Sven-Göran Eriksson ist der ein­zige Fuß­ball­trainer, der das Double (also Meis­ter­schaft und Pokal in einem Jahr) in drei ver­schie­denen Ligen (Schweden, Por­tugal, Ita­lien) gewinnen konnte. Zudem ist er mit vier Titeln als Trainer Rekord­sieger im ita­lie­ni­schen Pokal. Doch das ist nicht alles, denn Eriksson ist auch noch mul­ti­l­in­gual ver­an­lagt und spricht flie­ßend Schwe­disch, Por­tu­gie­sisch, Ita­lie­nisch, Spa­nisch und Eng­lisch. Ob er zur Zeit auch noch die Klick­sprache erlernt, ist aller­dings nicht bekannt.

2. Von Ski­fah­rern und Ham­mer­wer­fern
Als Eriksson im Jahr 2000 zu Eng­lands Natio­nal­trainer ernannt wurde, freute sich nicht jeder auf der Insel, dass fortan ein Aus­länder die Three Lions zu Ruhm und Ehre führen sollte. Im Gegen­teil: Gordon Taylor, Prä­si­dent der bri­ti­schen Spie­ler­ge­werk­schaft, jam­merte nach Bekannt­werden der Nach­richt: ​Das ist ein sehr trau­riger Tag für den eng­li­schen Fuß­ball.“ Die ​Daily Mail“ legte weniger sanft nach: ​Wir haben unser Geburts­recht an eine Nation von sieben Mil­lionen Ski­fah­rern und Ham­mer­wer­fern ver­kauft, die ihr halbes Leben in der Dun­kel­heit ver­bringen.“

3. Früher war alles besser
Nach den gol­denen Jahren mit Tony Adams, Paul Gas­coigne und Paul Merson ver­zwei­felte die eng­li­sche Presse an der neuen Dis­zi­plin, die der beken­nende Nicht-Trinker Eriksson in die Natio­nal­mann­schaft Eng­lands ein­führte. Keine Frauen, kein Schnaps, keine Exzesse – nahezu keim­frei prä­sen­tierte sich die Mann­schaft bei der WM 2002. Als sich auch noch die Fans unge­wöhn­lich fromm auf­führten, jam­merte ein bri­ti­scher Jour­na­list gegen­über seinen deut­schen Kol­legen: ​Wir wissen gar nicht mehr, was wir schreiben sollen. Nur zwölf Eng­länder wurden bisher ver­haftet. Das ist ein Witz! Und Schuld daran ist Eriksson.“

4. Ein Laden­hüter
Weil der Schwede in seinen ersten Jahren als Eng­land-Coach für Furore sorgte, ent­schieden die beiden fin­digen Autoren Julian Bir­kin­shaw und Stuart Crainer hastig das Buch ​Lea­der­ship – The Sven-Goran Eriksson Way“ auf den Markt zu spülen. Das Mach­werk sollte die ein­zig­ar­tigen Füh­rungs­qua­li­täten des Trai­ners genau umschreiben und vor allem Top-Mana­gern als Gebrauchs­an­lei­tung für den Kar­rie­re­turbo dienen. Es blieb ein Laden­hüter.

5. Die Geburts­stunde des geilen Svens
Ein ganz anderes Buch über Eriksson wurde hin­gegen zum Best­seller. Der Titel des Meis­ter­werks: ​Honest“, in dem eine gewisse Ulrike Jonsson aus­schwei­fend über ihr Lie­bes­leben erzählt. Einer der Partner der schwe­di­sche Wet­ter­an­sa­gerin war der sonst so brav-drein­bli­ckende Sven-Göran. Jonsson plau­derte über den flotten Dreier, vom dem ihr ​Svennis“ immer so sehr träumte, von Lie­bes­spielen mit Schlag­sahne und wie einmal eine Putz­frau in den Raum kam, wäh­rend sich die zwei Tur­tel­tauben im Intim­zwei­kampf befanden. Wei­teres Zitat: ​Bei einem Essen, mein Bruder saß dabei, zog Sven die Schuhe aus und strei­chelte mich unter dem Tisch an meinen liebsten Stellen. Später nahm er mich auf dem Tisch.“ Fortan hatte Eriksson seinen Spitz­namen weg: Der geile Sven!

6. Der Baum­woll-Pyjama
Im Jahr 2004 bestä­tigte Eriksson seinen Hang zum weib­li­chen Geschlecht. Dumm nur, dass seine geliebte Faria Alam, Sekre­tärin beim bri­ti­schen Fuß­ball­ver­band FA und Femme fatale in Per­so­nal­union, Details aus jenen heißen Tagen für 600.000 Pfund an zwei Bou­le­vard­blätter ver­hö­kerte. Hier ein Auszug: ​Nach dem EM-Aus lud er mich in sein Feri­en­haus in Schweden ein. Auf der Treppe nach oben zog er mir von hinten die Jeans runter und beugte mich nach vorn. Wir hatten Sex, und es war so auf­re­gend, obwohl ich mir die Knie auf­scheu­erte.“ Und weiter: ​Sven liebte meine Spe­zia­lität namens Deep Throat. Damit hab ich ihn mor­gens über­rascht, wäh­rend er noch schlief. Er wachte dann auf und rief: Oooh! Das hatte ich so lange nicht mehr!‹“ Doch nicht alles lief so pri­ckelnd zwi­schen den Beiden ab, denn Alam erzählte auch: ​Nach dem Sex stand er auf, zog sich seinen Baum­woll-Pyjama an und konnte dann erst ein­schlafen.“ Ver­ständ­lich.

7. Minus­re­kord im Para­dies
Stolze fünf Jahre blieb Eriksson am Ende Trainer der Three Lions. Der längste Job seiner Kar­riere, denn danach musst er sich mit sehr kurzen Enga­ge­ments begnügen. Neben Sta­tionen bei Man­chester City, als Natio­nal­trainer von Mexiko und der Elfen­bein­küste, sowie beim eng­li­schen Zweit­li­gisten Lei­cester City heu­erte der Schwede zuletzt beim thai­län­di­schen Erst­li­gisten BEC-Tero Sasana an. Dort blieb er aller­dings nur knappe zwei Monate – abso­luter Minus­re­kord

8. Ganz großes Theater
2005 wurde das ereig­nis­reiche Leben von Sven-Göran Eriksson sogar Thema eines Büh­nen­dramas, das im Stock­holmer Natio­nal­theater ​Dra­maten“ seine Pre­miere fand. ​Ein Stück in Schwe­disch, Eng­lisch und Ita­lie­nisch“, so der Titel der Auf­füh­rung, wurde von der Presse gefeiert. ​Der Trainer klet­tert auf Frau­en­kör­pern zum Gipfel und bleibt dort einsam“, schrieb das ​Svenska Dag­bladet“ über diese ​richtig gemeine, tief­schwarze und sehr bri­ti­sche Komödie“.

9. Immer diese Scheichs
Sein vor­läufig tiefstes Fett­näpf­chen durch­schritt Eriksson aller­dings im Januar 2006. Dort flog er auf Ein­la­dung eines Scheichs zu einem infor­mellen Treffen nach Dubai, dinierte auf einer Luxus­yacht und sprach frei von der Leber weg. So ließ er den Scheich wissen, dass er nach der WM 2006 bereit sei, seinen Job als Natio­nal­trainer Eng­lands auf­zu­geben, um den Pre­mier-League-Klub Aston Villa zu über­nehmen. Den Klub wie­derum wollte der schwer­reiche Finan­cier aus Fernost auf­kaufen und mit Mil­lionen auf­rüsten, so dass Eriksson sich auch gleich als Berater für einen Beckham-Transfer andiente. Dumm gelaufen, denn der Scheich war in Wahr­heit ein Reporter der bri­ti­schen ​News of the World“ und Eriksson mal wieder der Gehörnte. Nach der WM wurde er übri­gens ent­lassen.

10. Wir steigen auf! Notts!
Seine sport­li­chen Tief­punkt erreichte Eriksson eben­falls in Eng­land. Beim Viert­li­gisten Notts County heu­erte der Schwede 2009 an und sollte in fünf Jahren zehn Mil­lionen Euro ver­dienen. Seine Auf­gabe: Der auf­stre­bende Viert­li­gist sollte eine Art Hof­fen­heim Eng­lands werden, dazu wurde er mit Geld eine Kon­sor­tiums aus dem Nahen Osten befeuert. Wieder mal ein paar Scheichs, unkten Spötter. Bei seinem Antritt tönte Eriksson: ​Ich bin nach Not­tingham gekommen, um die größte Fuß­ball-Her­aus­for­de­rung meines Lebens zu bestehen und Notts County in die Pre­mier League zu führen.“ Daraus wurde nichts, denn am Ende stellte sich heraus, dass das reiche Kon­sor­tium eine reine Luft­nummer war. Nach acht Monaten nahm Eriksson seinen Hut.