Bun­des­liga-Rück­runde, Fuß­ball-EM im Sommer. Höchste Zeit auch für Fuß­ball-Laien, sich mit der Materie aus­ein­ander zu setzen. Doch wie über­steht man unfall­frei sämt­liche Stamm­ti­sche, Tre­sen­ge­spräche oder Sta­di­on­be­suche, ohne sich als kom­plett Ahnungs­loser ent­larvt zu werden? Was all die Rat­ge­ber­bü­cher ver­passt haben, woran von Margot Käß­mann bis Richard David Precht alle geschei­tert sind, das schafft nun 11FREUNDE. Erlernen Sie die wich­tigsten Sprüche und werden Sie zum all­seits ange­se­henen Fuß­ball-Kenner. Listen and repeat!

Der Stamm­tisch, das Tre­sen­ge­spräch, das Plau­dern am Arbeits­platz

Lek­tion 1:

Es geht um den kom­menden Bun­des­liga-Spieltag, meist wird über die Gegner des jewei­ligen Lieb­lings­ver­eins oder der Teams aus der Spit­zen­gruppe gespro­chen. Gegen wen spielen die Bayern? Mit wem hat es Dort­mund zu tun? Auch wenn Sie nicht den lei­sesten Schimmer einer geringsten Ahnung über die ein­zelnen Mann­schaften haben, hilft ein Satz immer:

Oh, wird schwer. Das haben die noch nicht gewonnen.“

Damit impli­zieren Sie, aus dem Erin­ne­rungs­schatz Ihrer jah­re­langen Fuß­ball-Erfah­rung zu schöpfen. Der Sub­text lautet: Im Fuß­ball hat es schon die ver­rück­testen Sachen gegeben. Zwar hat der Satz in etwa den Gehalt von ​Wer weiß, ob es morgen regnet“, doch für Ihre Gegen­über sind Sie das war­nende Gewissen, das da so eine Ahnung hat. Diese wird bei Nicht­ein­treten auch nicht weiter hin­ter­fragt, im anderen Fall aber haben Sie es ja vorher gewusst. Werden Sie beim nächsten Mal mutiger, indem Sie sagen: ​Das haben die noch lange nicht gewonnen.“

Lek­tion 2:

Es geht um ein­zelne Ver­eine, deren Tabel­len­stand und die der­zei­tige Situa­tion. Jetzt sind Pro­gnosen und eine klare Mei­nung gefragt. Ein pre­käres Feld, doch Ihnen genügt ein ein­ziger Ein­wurf:

Lass die mal zwei Spiele ver­lieren, dann brennt da der Baum.“

Hierbei ist es ganz egal, wo der jewei­lige Verein steht, dieser Satz ist unab­hängig von jeder Tabel­len­kon­stel­la­tion anwendbar und – das ist wichtig – nicht zu wider­legen. Denn wie land­läufig bekannt ist, rufen Nie­der­lagen so zuver­lässig Unruhe hervor wie Regen­tropfen Nässe. Ach­tung: Ver­meiden Sie der­ar­tige Sätze bei Gesprä­chen über Werder Bremen, da es keine schrift­li­chen Belege für Unruhe in diesem Verein gibt – es han­delt sich um eine Zeit vor Erfin­dung des Buch­drucks.

Lek­tion 3:

Eines der belieb­testen Themen unter Fans sind die Trainer. Es werden gar Wetten auf den kom­menden Raus­wurf eines Trai­ners abge­schlossen. Maßen Sie sich kein indi­vi­du­elles Urteil an, doch deckeln sie jeg­liche Gespräche mit dem Spruch:

Ein Trainer kann noch so gut sein. Was zählt, ist der Erfolg.“

Sie werden in der Regel Kopf­ni­cken ernten. Und falls nicht, setzen Sie noch die gute, alte Udo-Lattek-Anek­dote oben drauf. Erzählen Sie, wie er als Trainer zum Prä­si­denten ging und sagte, dass sich etwas ändern müsse. ​Der Prä­si­dent sagte: Es wird sich etwas ändern. Sie sind ent­lassen.“ Genießen Sie das Glucksen der Umste­henden oder wahl­weise den herz­li­chen Applaus. Sollten Sie Bedenken haben, dass diese Anek­dote sich irgend­wann abnutzen könnte, so seien Sie beru­higt: Das hat Udo Lattek auch nicht gestört.

Das erste Heim­spiel im Sta­dion

Lek­tion 4:

Sie haben unter der Woche Ihre Kom­pe­tenz bewiesen, nun geht es ans Ein­ge­machte: Sta­di­on­be­such. Hier kann jeder Fehl­tritt ent­lar­vend sein. Lassen Sie keine Zeit ver­strei­chen und brüllen bei Betreten des Blocks laut und bestimmt:

Fahne runter!“

Sie treten als Tra­di­tio­na­list auf, dem durch per­spek­tiv­lose Halb­starke die über Jahre hart erkämpfte Sicht genommen wird. Damit sind Sie unver­kennbar der Frei­heits­kämpfer der Alt­eing­es­senen. Ach­tung: Stellen Sie sicher, dass Sie selbst keine Fahne schwenken. Im Eifer des Gefechts rutscht das vielen durch.

Lek­tion 5:

Auf dem Rasen kann es hitzig zugehen. Wichtig ist, bei Foul­spielen klar zu unter­scheiden. Han­delt es sich um Fouls der eigenen Mann­schaft, bedienen Sie sich aus dem reich­hal­tigen Fundus der Erklä­rungen von ​In Eng­land wird so etwas nicht gepfiffen“ über ​Er kann sich ja nicht in Luft auf­lösen“ bis zu ​Schiri, das ist doch hier kein Damen­schach“. Bei Fouls der geg­ne­ri­schen Mann­schaft han­delt es sich stets um eine üble Tre­terei. Hier ist Ihre Schnel­lig­keit gefragt, denn die Unmuts­be­kun­dungen folgen einer Rei­hen­folge. Motto: Wenn Sie nicht einen der fol­genden Rufe abson­dern, tut es jemand anderes.

Schon wieder der Fünfer (vari­ierbar)“

Der hat schon Gelb!“

Schiri, wie oft noch?“

Muss erst einer sterben, dass du ne Karte zeigst?!“

Lek­tion 6:

Es kann vor­kommen, dass ein Heim­spiel nicht optimal läuft. Stei­gern Sie Ihre Erre­gung gegen Ende des Spiels gut hörbar für alle Umste­henden mit Rufen wie ​Scheiß Mil­lio­näre“ oder ​Warum wech­selt der nicht aus?“, bis Sie beim Hin­aus­gehen die Krö­nung voll­bringen mit dem Ausruf:

Ich komm hier nicht mehr hin!“

Wenn dann noch ein ein­ge­weihter Bekannter das mit den Worten kom­men­tiert ​Das sagst du jedes Mal“, haben Sie es geschafft. Sie gelten als jemand, der allen Schmerz der Welt durch­leidet, den die gren­zen­lose Lei­den­schaft aber jedes zweite Wochen­ende wieder aufs Neue über­mannt. Nicht mehr ins Sta­dion zu gehen, das gehört zur Folk­lore, ähn­lich wie der Satz um die Rol­ling Stones: ​Das wird die letzte Tournee.“

Das erste Aus­wärts­spiel

Lek­tion 7:

Die end­gül­tige Initia­tion: Ein Aus­wärts­spiel mög­lichst im Fanbus begleiten – ver­bunden mit einer herben Nie­der­lage. Wer eine zehn­stün­dige Fahrt in einem viel zu kleinen Bus mit defekter Toi­lette mit­ge­macht hat, der fürchtet nicht mal mehr den Tod. Wichtig ist, dass Sie die Hal­tung ​wir da unten, die Spieler da oben“ inter­na­li­siert haben und sich dann die nötige Zustim­mung ver­schaffen mit Sätzen wie:

Die wissen doch gar nicht, was wir auf uns nehmen. Die sitzen jetzt schön im Pool.“

oder uner­reicht:

Wenn ich so arbeiten würde wie die, wäre ich schon lange ent­lassen.“

Dabei spielt keine Rolle, wo und ob Sie im wirk­li­chen Leben arbeiten, Sie tat­säch­lich schon ent­lassen oder auch ein­fach nur Beamter sind. Es geht um mehr. Werden Sie zum Anwalt des kleinen Mannes und kommen Sie auf diese Weise in den Genuss, von den Kut­ten­trägen bei der nächsten Rast­stätte auf einen Schluck aus der lau­warmen Faxe-Dose ein­ge­laden zu werden.

Lek­tion 8:

Sollte das alles nicht gereicht haben, hier der letzte Tipp. Ach­tung: Bitte nur in abso­luten Aus­nah­me­fällen anwenden. Immer wieder kommt es auf Aus­wärts­fahrten zu einem Punkt, an dem über den ​wahren Fan“ gespro­chen wird. Ein ein­ziger Satz kenn­zeichnet Sie als den Helmut Schmidt unter den Anhän­gern. Tragen Sie ihn mit dem Pathos eines ame­ri­ka­ni­schen Vietnam-Vete­ranen vor:

Ich war in Meppen.“

Mehr geht nicht, im Bus wird Stille herr­schen. Nun ist unum­stöß­lich klar, dass Sie alles mit dem Verein durch­ge­macht haben, ihn in den tris­testen Stunden der Zweit- und Dritt­klas­sig­keit begleitet haben und nicht vor Höl­len­trips zurück­schre­cken. Mög­lich, dass jemand fragt: ​Wel­ches Bataillon?“ oder ​Wie war es?“ Wie­geln Sie ab. ​Ich kann nicht dar­über reden, die Erin­ne­rungen sind noch zu frisch.“