An diesem Samstag treffen die deut­schen Fuß­baller im End­spiel der U17-Welt­meis­ter­schaft in Indo­ne­sien auf Frank­reich (13 Uhr, live bei RTL). Für die Deut­schen ist es die erste Final­teil­nahme seit 1985, als die End­runde in China statt­fand. Sie gilt heute als die erste U17-Welt­meis­ter­schaft über­haupt. In Wirk­lich­keit war sie aller­dings eine U‑6-WM. Martin Schneider, damals Kapitän der deut­schen Mann­schaft, erin­nert sich.

Herr Schneider, haben Sie in den ver­gan­genen Tagen manchmal mit­tags vor dem Fern­seher gesessen und sich Spiele der U‑17-WM in Indo­ne­sien ange­schaut?
Das Vier­tel­fi­nale der Deut­schen gegen Spa­nien habe ich fast kom­plett gesehen und vom Halb­fi­nale gegen Argen­ti­nien eine Zusam­men­fas­sung.

Wel­chen Ein­druck haben Sie von der deut­schen Mann­schaft?
Die Spa­nier waren im Vier­tel­fi­nale spie­le­risch besser. Dafür gefallen mir die Deut­schen kämp­fe­risch super gut. Man sieht, wie sie sich rein­hauen. Man sieht, dass sie einen starken Zusam­men­halt haben. Die Tugenden, die man sich auch für die A‑Nationalmannschaft wün­schen würde, sind auf jeden Fall vor­handen. Was ich bei der WM ein biss­chen ent­täu­schend finde, das ist die Zuschau­er­zahl.

Gegen Nigeria im End­spiel und im Vier­tel­fi­nale gegen China haben wir vor 80.000 Leuten gespielt“

Das war bei Ihnen, 1985 in China, defi­nitiv anders.
Gegen Nigeria im End­spiel und im Vier­tel­fi­nale gegen China haben wir vor 80.000 Leuten gespielt. Auch beim Halb­fi­nale, beim 4:3 gegen Bra­si­lien, war es voll. Vor so einer Kulisse hatte ich zuvor noch nie gespielt. Im Spiel selbst denkst du nicht dar­über nach. Aber vorher, bei der Anfahrt: wenn du das große Sta­dion siehst, die ganzen Fahr­räder. Ich bin später Profi geworden, habe 379 Bun­des­li­ga­spiele bestritten. Und trotzdem war dieses Tur­nier eines der High­lights in meinem Leben.

Mitte der Acht­ziger nach China zu reisen war ja auch nicht all­täg­lich.
Für einen Jugend­li­chen mit 16 Jahren war das ein Rie­sen­er­lebnis. Ich weiß noch, dass wir mit einem Flug­zeug geflogen sind, in dem man über eine Wen­del­treppe nach oben gelangte und dass dieser Bereich kom­plett für uns reser­viert war. Aus China selbst ist mir ein Aus­flug zur Chi­ne­si­schen Mauer in Erin­ne­rung geblieben. Und das Essen natür­lich.

Inwie­fern?
Jeden Tag Reis, das warst du von zu Hause ja auch nicht so gewohnt. Manchmal gab es auch so Fisch­sa­chen, die ich als Jugend­li­cher noch nicht so gemocht habe. Das Essen war schon ein wenig exo­tisch. Aber ich denke, wir sind alle satt geworden.

Martin Schneider, 55

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spielte 1985 in der Jugend des FC Bayern Mün­chen. Als Profi kam er für den 1. FC Nürn­berg, Borussia Mön­chen­glad­bach und den MSV Duis­burg zwi­schen 1987 und 2000 zu 379 Ein­ätzen in der Fuß­ball-Bun­des­liga. Für den DFB bestritt er ins­ge­samt 51 U‑Länderspiele.

War es schwierig, so weit und so lange weg zu sein von zu Hause?
Du bist ja abge­lenkt. Du spielst eine Welt­meis­ter­schaft, willst wei­ter­kommen, hast Erfolgs­er­leb­nisse und bist immer mit deinen Kum­pels zusammen. Da hast du kein Heimweh.

Welche Erin­ne­rungen haben Sie noch an das Tur­nier?
Ich muss ganz ehr­lich sagen: Ich habe viel von früher ver­gessen. Aber in der Vor­runde haben wir gegen Argen­ti­nien gespielt, mit Hugo Mara­dona.

Dem jün­geren Bruder von Diego Mara­dona.
Genau. Das war natür­lich ein High­light. Wenn ich mich nicht täu­sche, ging das Spiel 1:1 aus.

Was ist Ihnen vom End­spiel gegen Nigeria haften geblieben?
Dass ich ent­täuscht war, weil wir ver­loren haben. Danach sind natür­lich Tränen geflossen. Ich habe auch noch ein Bild, auf dem ich den WM-Pokal hoch­halte, mit dem nige­ria­ni­schen Kapitän und dem Fifa-Prä­si­denten Joao Have­lange. Das ist wahr­schein­lich vor dem Finale ent­standen. An das Spiel selbst habe ich wenige Erin­ne­rungen. Eigent­lich kann ich mich nur noch an das Ergebnis erin­nern.