Die frühen Acht­ziger. Die guten, alten Zeiten, als Bun­des­li­gisten regel­mäßig bis in die letzte Runde der euro­päi­schen Wett­be­werbe vor­stießen. Das erste Final­spiel des Uefa-Cups, hatte Ein­tracht Frank­furt im Duell gegen Borussia Mön­chen­glad­bach noch mit 2:3 ver­loren. Zwei Minuten vor Abpfiff gelang den Glad­ba­chern der schmei­chel­hafte Sieg­treffer durch Chris­tian Kulik.

Etwas über­ra­schend für Trainer Jupp Heyn­ckes, der sich bereits mit dem Unent­schieden abge­funden hatte. Ange­sichts einer wie ent­fes­selt auf­spie­lenden Ein­tracht konnte er mit dem Ergebnis wirk­lich zufrieden sein. Auch trotz zweier Gegen­tore. Zur Halb­zeit behaup­teten einige Glad­ba­cher sogar, dass sie selten gegen so eine starke Mann­schaft wie Ein­tracht gespielt hätten.

Knapp 60.000 im Wald­sta­dion von Ein­tracht Frank­furt

Es ent­stand der Ein­druck, die Frank­furter würden über weite Stre­cken der Begeg­nung in Über­zahl spielen. Die Nie­der­lage schmerzte, doch noch war nichts ver­loren. »Ich bin Opti­mist. Wir müssen den UEFA-Cup ein­fach holen – an etwas anderes will ich gar nicht denken«, sagte Ein­tracht-Trainer Friedel Rausch. Mit nur einem Tor Rück­stand ging seine Mann­schaft ins zweite Final­spiel.

Es war an einem heißen Mai­abend. Knapp 60.000 Zuschauer schwitzten im aus allen Nähten plat­zenden Wald­sta­dion und fie­berten dem Rück­spiel ent­gegen. Rausch wollte am Vortag des zweiten Kräf­te­mes­sens nichts dem Zufall über­lassen, punkt zehn Uhr abends war Zap­fen­streich. Bei Zuwi­der­hand­lung drohte den Spie­lern eine Geld­strafe in Höhe von 5000 DM. Kampf bis zum letzten Blut­tropfen, gab er als Devise aus. Schließ­lich war die Aus­gangs­lage nicht ganz so günstig: »Mister Euro­pacup« Harald Karger, der im Laufe des Wett­be­werbs fünf Tref­fern erzielt hatte, war nicht ein­satz­fähig. Die Bank musste indes mit Ama­teur­spie­lern auf­ge­füllt werden, wenigs­tens war Bum Kun Cha wieder mit von der Partie.

Der Match­winner für Ein­tracht Frank­furt: Ein Unbe­kannter

Und dann war da noch einer, der 77. Minuten lang auf der Bank saß. Beim Stand von 0:0 wech­selte Rausch den 19-jäh­rigen Stürmer Fred Schaub ein. Ein Glücks­griff – nur vier Minuten später erzielte dieser das gol­dene Tor. Er ließ dabei drei Gegen­spieler stehen, spielte einen Dop­pel­pass mit Bernd Höl­zen­bein, bekam den Ball im Sech­zehner zurück, behielt ihn noch ein paar Meter am Fuß und knallte ihn dann flach in den Kasten. »Mit Fred habe ich etwas Beson­deres vor«, hatte Rausch vor dem Spiel noch gesagt. Er behielt Recht.

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN

Ein­tracht Frank­furt: Jürgen Pahl, Willi Neu­berger, Bruno Pezzey, Charly Körbel, Horst Ehrm­an­traut, Werner Lorant, Bernd Höl­zen­bein, Bernd Nickel, Ronald Bor­chers, Bum-kun Cha, Nor­bert Nacht­weih (77. Fred Schaub). Trainer: Friedel Rausch

Borussia Mön­chen­glad­bach: Wolf­gang Kneib, Jürgen Fleer, Wil­fried Hannes, Win­fried Schäfer, Nor­bert Rin­gels, Ralf Bödeker, Lothar Mat­thäus (86. Steen Thy­chosen), Chris­tian Kulik, Carsten Nielsen (68. Kalle Del´Haye), Harald Nickel, Ewald Lienen. Trainer: Jupp Heyn­ckes

Tore: 1:0 Schaub (81.)

Gelbe Karten: Pezzey – Nickel, Schäfer
Schieds­richter: Ponnet (Bel­gien)
Zuschauer: 59 000
Sta­dion: Wald­sta­dion Frank­furt
Datum: 21. Mai 1980
Wett­be­werb: Uefa-Cup (Finale, Rück­spiel)
Hin­spiel: Borussia Mön­chen­glad­bach – Ein­tracht Frank­furt 3:2

STIMMEN ZUM SPIEL

»Mat­thäus riss das Spiel herum«
(»kicker« zum Hin­spiel)
»Fran­furt spielte, Borussia kämpfte« (»Rhei­ni­sche Post« zum Hin­spiel)
»Von so was träumt Europa« (»Bild« zum Hin­spiel)
»1:0 – Unsere Ein­tracht holt den Cup!« (»Bild« zum Rück­spiel)
»Der größte Tri­umph der Ein­tracht« (»Abend­post« zum Rück­spiel)
»Borus­sias Angriff ohne Wir­kung« (»Frank­furter Rund­schau« zum Rück­spiel)